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Rundbrief aus Butiru · · 5 Min. Lesezeit

Jeder neue Tag hat die Chance in sich, etwas Gutes zu tun

Steigende Preise und Dürre in Uganda – und trotzdem viel Gutes: eine neue Berufsschule mit der ersten Fahrschule der Region, ein Oberstufenblock für die Butiru-Sekundarschule, ehemalige Patenkinder im Beruf und Microfinance-Gruppen in 262 Dörfern.

Die neue Berufsschule an der Munamba Primary School

Liebe Freunde,

Krisen überall, so scheint es gerade. Auch die ugandische Währung befindet sich im Sturzflug und Preise klettern. Es betrifft fast alles, von Seife bis hin zum Zement. Der Dieselpreis ist innerhalb von 2 Monaten von 4.500/= USH auf 7.000/= USH geklettert. Hinzu kommen durch El Niño vertrocknete Ernten auf den Feldern. Und auch ihr habt ähnliche Probleme mit Inflation, dazu Kriegsgefahr und Rechts/Links-Themen in der Politik. Und wir hören bis hierher von schlimmen Aufständen im Nachbarland Frankreich.

Aber laßt uns nicht mutlos werden und vielleicht auch nicht allzu viele dieser schlimmen Nachrichten im Detail ansehen. Jeder neue Tag hat die Chance in sich, etwas Gutes zu tun, auch ohne ein politisches Amt oder einen dicken Geldbeutel. Am großen Weltgeschehen werden wir vielleicht nicht unmittelbar etwas ändern können. Aber wir können jeden Tag Liebe und Wärme um uns herum verbreiten und in unserem Umfeld Frieden und Freude erfahren.

Dank der Stiftung Kinder in Afrika konnten wir anliegend an die Munamba Primary School (Grundschule geht in Uganda bis zur 7. Klasse und entspricht in etwa dem deutschen Hauptschulabschluß) eine kleine Berufsschule mit mehreren Ausbildungszweigen bauen. Darunter sogar eine Fahrschule, die erste in unserer Region. Über die Hälfte der mittlerweile 69 Schulen, die wir im weiteren Umfeld von Butiru bauen konnten, wurden von „Kinder in Afrika“ finanziert, und ein weiterer Schulbau in Makenya hat gerade begonnen. Wir sind sehr dankbar!

Praktischer Unterricht in der Berufsschule

Unser Wirkungsbereich erstreckt sich, wie die meisten schon wissen, auf den Südwesten des Mt Elgon Massivs. Bei der letzten Volkszählung wurden hier gut 12 Mio Menschen gezählt, wovon knapp die Hälfte im Grundschulalter oder noch darunter sind.

Mit meinen 62 Jahren gehöre ich in Uganda also wirklich schon zu den Alten, habe aber trotzdem noch ein wunderbares Leben. Dank unserer beiden Töchter Hannah und Christine, die beide bereits große Teile der Arbeit in und um Butiru übernommen haben, bin ich jeden Tag meist nur noch bis 14 Uhr im Büro und gehe anschließend in meinen Garten oder auf Nachbars Felder. Da scheinen jetzt im Alter die Bauerngene der vergangenen Schulze-Generationen durchzukommen.

Die ugandische Landwirtschaft kämpft nicht nur mit Auswirkungen des Klimawandels, das heißt oft unvorhersehbare Regen- und Trockenzeiten. Es gibt auch viel Schaden durch übermäßige künstliche Düngung und durch den Gebrauch von Pestiziden, die in fast jedem Shop neben Zucker und Seife auf den Regalen stehen und in Europa oft schon verboten sind. Hier werden diese weiterhin vermarktet und manchmal noch kurz vor der Ernte versprüht.

So wie die Schulmedizin sich auch erst langsam ändert und nicht mehr drei Antibiotika gleichzeitig für Erkältung verschreibt, beginnt die Abkehr von europäischer Düngung und Schädlingsbekämpfung auch in der Landwirtschaft nur langsam. Manch Diskussion ist da schon mit unseren beiden, an Unis ausgebildeten Landwirtschaftslehrern über alternative Düngung und über alte traditionelle Schädlingsbekämpfung (z.B. bekämpft Tagetes, zwischen Tomaten gepflanzt, sehr effektiv Nematoden im Boden, die ansonsten ohne Pestizide ganze Tomatengärten verfaulen lassen) gelaufen.

Auch sind wir weiterhin in mittlerweile acht Dörfern dabei, Längsrinnen an Berghängen zu graben und mit Baumsetzlingen aufzuforsten, um Bodenerosion zu stoppen und auch um austrocknende Quellen wieder zum Leben zu erwecken. Diese Längsrinnen helfen, die oft sehr heftigen Regenfälle aufzufangen und über Zeit auch den Grundwasserspiegel wieder zu erhöhen.

Man muß geduldig sein und in Jahren, anstatt nur von einer Ernte zur nächsten zu denken.

Mit mittlerweile über 1.700 Schülern in unserer Butiru-Sekundarschule war es sowohl in den Klassenräumen, als auch in den Schlafsälen sehr eng geworden. Dank Bingo Umweltstiftung, Familie Müller und der Stiftung Second Aid konnten wir in den vergangenen Monaten ausbauen. Auf dem Foto ist der neue Oberstufenblock zu sehen. Die umliegenden Sekundarschulen gehen nur bis zum O-Level (das entspricht der Mittleren Reife), so wird unsere Oberstufe voraussichtlich auch in den nächsten Jahren noch weiter wachsen.

Der neue Oberstufenblock der Butiru-Sekundarschule

Ein großer Segen in Butiru und auch in den Außenprojekten sind ehemals vom Freundeskreis unterstützte Waisenkinder, wie hier unsere IT-Lehrerin Pamela und die Leiterin des Kindergartens/Vorschule, Juliet. Angela ist verantwortlich für die Finanzen der Butiru Grundschule. Felix arbeitet als Zahnarzt in seiner dem Hospital angeschlossenen und Dank Praxis Hanf wunderbar ausgestatteten Klinik. Und Ben ist einer der Krankenpfleger am Hospital.

  • Pamela, IT-Lehrerin
  • Juliet leitet Kindergarten und Vorschule
  • Angela, Finanzen der Butiru-Grundschule
  • Felix, Zahnarzt am Hospital
  • Ben, Krankenpfleger am Hospital

Wir möchten an dieser Stelle allen Paten für die jahrelange Unterstützung von ganzem Herzen danken!

Auch in der Dorfarbeit geht es voran. Wir konnten mittlerweile in bereits 262 Dörfern Microfinance-Gruppen für Frauen anschieben, und diese Möglichkeit, kleine Geschäfte zu betreiben, verändert das Dorfleben zum Guten. In vielen Klans wurden Mädchen in der Vergangenheit oft danach bewertet, wieviel Brautpreis sie einbrachten und Ehefrauen danach, wieviel Kinder sie bekamen. Jetzt wo Mädchen immer öfter die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen und anschließend auch ohne feste Anstellung die Gelegenheit bekommen, kleine Geschäfte zu gründen, beginnen sich die alten Einstellungen zu verändern.

Diese 262 Dörfer sind in elf Zonen aufgeteilt, geleitet durch Committees in welchen auch häufig ehemals unterstützte Waisen mitarbeiten.

Nebst Microfinance läuft in diesen Zonen auch weiterhin die Unterstützung von Witwen und Großmüttern durch den Bau wetterfester Häuschen. Dank Herrn Wywiols wunderbarer „MoreMilk-Aktion“ können wir auch weiterhin Milchkühe an neue Gruppen ausgeben und auch die Sicherung verschmutzter Wasserquellen geht voran. Bingo Niedersachsen hat uns in den letzten Monaten mit 40 Quellsicherungen geholfen und unsere Warteliste ist dadurch wieder auf ein gesundes Maß geschrumpft. Dank der Quellsicherungen hatten wir die letzten Jahre keine der gefährlichen Cholera-Ausbrüche mehr, und auch andere Magen/Darm-Infektionen, inclusive Wurmbefall haben sich deutlich reduziert.

Eine gesicherte Wasserquelle

Ohne euch wäre all diese Arbeit hier im Osten Ugandas nie möglich geworden, wir sind von Herzen dankbar!

Eine frohe Advents- und Weihnachtszeit wünschen

Elisabeth, der Freundeskreis-Vorstand und das Butiru-Team

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