Eine Bank für Butiru

Vor zwei Jahren hatten wir, neben der Microfinance- Kreditausgabe fuer Witwen – die zur Zeit separat gemanaged wird , mit einer kleinen Sparkasse für unsere Mitarbeiter in Butiru begonnen, wo mittlerweile auch etliche unserer Bushiyi Lehrer Mitglied sind. In Uganda gibt es noch kein zuverlässiges Rentensystem, so dachten wir es ist nicht schlecht, pro Mitarbeiter jeden Monat etwas Geld vom jeweiligen Gehalt für später zu sparen. Beim Ausscheiden aus dem Dienst bekommt dieser Mitarbeiter dann den angesparten Betrag ausgezahlt und es kann ihm helfen, ein Stück Land zu kaufen oder vielleicht ein kleines Business einzurichten, welches ihm  dann im Alter helfen kann. So ist es jetzt für unsere Mitarbeiter von den Köchen bis zu  Schulleitern Pflicht, dass sie pro Monat 5 % ihres Gehaltes sparen.  Zur Zeit haben wir 154 Mitglieder in dieser Sparkasse registriert.

Nach etwa einem halben Jahr war das gesparte Kapital auf eine Summe angestiegen, die es uns  ermöglichte, mit der Ausgabe von Krediten an unsere Mitarbeiter zu beginnen. Eine unserer Regeln besagt, daß der Kredit  nicht mehr betragen darf, als was ein Mitarbeiter innerhalb eines Jahres zurückzahlen kann, ohne mehr als 50 % seines Gehaltes für die monatliche Kreditrückzahlung zu verwenden. Die längste Kreditabzahlungszeit beträgt also 12 Monate und für einen Kredit dieses Zeitraums verlangen wir 20 % Zinsen. Für einen kleineren Kredit, der innerhalb  eines Trimesters, das sind vier Monate, zurück gezahlt wird, verlangen wir  10 % Zinsen und für einen Zwei-Trimester-Loan (das sind 8 Monate) verlangen wir 15 % Zinsen.

Wenn also jemand z.B. 1.000.000/= USH (umgerechnet etwa 300 €) für ein ganzes Jahr ausleiht, werden ihm die 20 % Zinsen gleich draufgerechnet, macht also gesamt 1.200.000/= USH zurückzuzahlende Summe. Und dieser Betrag wird dann gleichmäßig auf die 12 Monate verteilt.

Die Rückzahlungen werden immer gleich automatisch, zusammen mit dem monatlichen Sparbetrag der 5 % (der weiterlaufen muß) von den jeweiligen Schulbursars vom Gehalt abgezogen und zur Sparkasse rübergebracht.

 

Bisher haben wir eine volle Kraft, Jane Waswa (auch ehemaliges Waisenkind) die diese Sparkasse betreibt. Hier mit einer unserer Mitarbeiterinnen, die einen Kredit beantragen möchte. Für diese kleine Bank haben wir unsere ehemalige Schulkantine, vorne am Management Block geräumt. Auf dem nächsten Foto seht Ihr Jane an ihrer Außentür.  Bisher teilt sie sich diesen Raum noch mit Victo, die unsere Microfinanzkredit-Ausgabe für die Witwen managed.

 

Da diese Räumlichkeit sich direkt am Haupttor befindet, wo Tag und Nacht immer wenigstens einer unserer Askaris on Duty steht, ist das Geld dort auch sicher.

Von den Kreditzinsen, also dem Proft, bezahlen wir Janes Gehalt, dann schütten wir einmal jährlich  Zinsgewinne an die Sparer aus (letztes Mal waren es 12 % für das Jahr) und können  trotzdem das Gesamtkapital regelmäßig  noch etwas aufstocken. Zur Zeit haben wir ein Kapital von 32.000.000/= USH (ca. 10.000 €), welches zum größten Teil in Loans unter den Leuten ist.

Soweit so gut.

Nun kommen mehr und mehr Dorfbewohner aus der Umgebung und bitten, bei uns auch ein Konto aufmachen zu dürfen. Die nächsten Banken sind in Mbale, mehr als eine Autostunde entfernt und es ist für einfache Dorfleute nicht leicht, dort ein Konto zu eröffnen und zu betreiben.

Dann sind unsere Schule in Butiru mittlerweile auch so gewachsen, daß wir Schulgeldzahlungen eigentlich über ein Banksystem regeln müssen. Die Eltern kommen ja mit dem Bargeld (meist in Raten, manchmal auch in Form von Feuerholz, Bohnen, Mais, Spinat oder was sonst so gebraucht wird) zum Schulbursar und bezahlen dort gegen Beleg.  Aber das ist so ein System von der Hand in den Mund, und bürdet auch den Bursars viel Arbeit auf – besonders zu Beginn der Trimester. Es wäre besser, wenn die Schulgeldzahlungen erstmal auf ein Bankkonto gebracht würden, dann ordentlich per wöchentlicher Requisitions nach Übereinstimmung mit dem Trimesterbudget  von den Schulbursars, mit Gegenzeichnung des Schulleiters, von den jeweiligen Konten abgehoben würden.

Wir haben nun dieses Trimester bereits einen jungen Mann, Emma, eingestellt, der in Janes Büro alle Schulgeldeingänge für die Sekundar- und Grundschule entgegennimmt.

 

Die Vorschule, das Lehrercollege, Farm, Genossenschaft und Werkstätten handeln ihre Finanzen dieses Jahr alle noch selber, sollen aber im nächsten  Jahr auch  zentralisiert werden.

Bisher bringt jedes Department abends ihre Geldbündel in Mary und mein Büro, wo wir einen kleinen Safe gebaut haben, der bei den Mengen ugandischen Geldes auch  bald nicht mehr ausreicht. Dort lagern  u.a. auch die Landpapiere und Schuldokumente.

Auf dem naechsten Bild seht Ihr  die Quantität nur der  Sekundarschuleinnahmen dieser Woche J

 

Aber mit all dem äußeren Umbau, größerem Tresor, Auslagerung des Microfinancedepartments  etc. werden wir gut fertig. Was uns Kopfschmerzem macht ist die Buchhaltung (ohne Computer). Wie bringen wir all diese Konten  besser unter?

Bisher hat jeder Mitarbeiter (Sparer) ein Schulheft, was IN/OUT/BAL wie ein Cashbook liniert ist. Da werden monatlich alle Transaktionen per Hand eingetragen. Dann hat die Bank große Kontobücher, die alphabetisch sortiert sind,wo alle Transaktionen (wie in den Schulheften) für die Bank per Sparer kopiert werden.

Dann gibts noch ein Overall-Cashbook, was den Gesamtbestand der Bank reflektiert. Also alles was in den kleinen Sparbüchern notiert wird, taucht dann auch in diesem großen Cashbuch auf. Und zu jedem Monatsende wird eine Prüfung gemacht. Da wird das Cash at hand zu den ausstehenden Krediten addiert und man kann sehen, ob das Gesamtkapital sicher ist.

Jetzt müssen wir ja aber andere Sparten einführen, z.B. die Banking Charges für Schulgeldeinzahlungen, die dann helfen diesen zweiten Mitarbeiter zu bezahlen.

Und wir bräuchten einfach ein paar Tips, wie man die Buchhaltung besser organisieren könnte. Dann auch Tips zum Umgang mit Außenkunden. Bei unseren eigenen Mitarbeitern koennen ja keine Probleme z.B. mit Rückzahlung von Krediten auftreten, weil alle Gehälter „sicher“ sind. Aber wie geht man mit Außenkunden um?  Für die ersten sechs Monate würden wir nur Sparbücher erlauben, aber irgendwann muß das Geld ja unter die Leute und Profit erwirtschaften, so daß auch den Sparern später Zinsen gezahlt werden können. Und die Kreditausgabe kann auch wirklich ein Segen sein: etliche unserer Mitarbeiter sind am Häuserbauen, konnten Land kaufen, eine gute Milchkuh u.a.m

Bei Außenkrediten müßten wir wohl Sicherheiten verlangen, oder vielleicht auch Garanten?

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